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Die Geschichte des Linzer Steiges

             Die älteste schriftliche Erwähnung über den Handel zwischen dem Donauraum und Böhmen stammt aus den Jahren 902 bis 906, als der Markgraf Aribo I. die sog. Raffelstettener Zollordnung herausgegeben hat. Sie regelte die Bedingungen des Handels im Donauraum. Die Ordnung regelt die Handelsbeziehungen zwischen den Bayern und Slawen. Die Handelsartikel waren wahrscheinlich Pferde, Salz aber auch Sklaven. Die Stadt Linz wird hier im Zusammenhang mit dem hiesigen Markt und der Zollgebühr, die hier gezahlt wurde, angeführt. In dieser Quelle wird aber keiner der Steige erwähnt. Zuverlässigere Beweise finden wir erst seit dem 12. Jahrhundert. Im Jahre 1106 wird in der Chronik des Cosmas die Flucht des Kaisers Heinrich IV. zum Fürst Bořivoj II. „durch die südliche Landschaft auf dem Weg, an dem man nach Netolice geht“, erwähnt. In Bezug darauf, dass der Kaiser nach Regensburg floh, ist es möglich, dass es sich um eine der Strecken westlicher vom Linzer Steig handelte. Sicher ist aber, dass die Netolitzer Burgstätte im

Frühmittelalter eine der Zentren in Südböhmen war. Hier residierte der hiesige Kastellan – ein vom Prager Fürst eingesetzter Verwalter des Gebietes.

Zu den sehr alten Siedlungen gehörten auch Boletice mit der St. Nikolaus Kirche aus dem Ende des 12. Jahrhunderts und Zátoň, der Hof des Benediktinerklosters in Ostrov bei Davle. Der Fernhandelsweg führte wahrscheinlich durch diese Ortschaften. Der Gebirgszug des Böhmerwaldes wurde bei Vyšší Brod (Hohenfurth) überschtitten. Wie der Name schon sagt, waren an diesem Ort gute Bedingungen für den Übergang der Moldau und der Hohenfurther Pass war günstig für die Durchschreitung des Grenzgebietes. Im Jahre 1259 haben hier die südböhmischen Wittigonen ein Zisterzienserkloster gegründet, das eine bedeutende Rolle bei der Besiedlung dieses Teiles des Böhmerwaldes spielte. Auf der österreichischen Seite setzte sich der Steig Richtung Bad Leonfelden, Zwettl an der Rodl und weiter nach Linz, das auf den Fundamenten eines römischen Lagers aus dem 1. Jh. n. Chr. steht, fort.

Die Handelsstraβen im Mittelalter waren nicht dauerhaft. Die Händler wollten  oft den Zollgebühren oder den kostenpflichtigen Warenlagern ausweichen. Im 14. Jh. entstand ein westlicherer Zweig des Steiges bei Frymburk (Haslach, Svatý Tomáš, Frymburk, Zátoň). Eine wichtige Station dieses Weges war die Burg Vítkův kámen. Vorteilhaft war auch die Waren in die bedeutenden Ortschaften, die eine gute Chance für ein erfolgreiches Geschäft bedeuteten, einzuführen. Die Richtungen der Straβen beinflussten auch die Änderungen der Zentren in der südböhmischen Region in der Mitte des 13. Jh. Nach dem Aufschwung der Bedeutung von Český Krumlov (Krumau) wurden die Handelswege vom nicht weit entfernten Boletice umgeleitet. Auch das System der Verwaltungsburgstätten, das sog. Burgensystem, wurde durch die neu gegründeten Königsstädte, in denen das Handwerk und dem mit ihm verbundenen Handel aufblühten, ersetzt. Auf dem Zusammenfluss der Moldau und Maltsch gründete im Jahre 1265 König Přemysl Otakar II. die Stadt České Budějovice (Budweis). Diese Stadt stellte eine neue Stütze der königlichen Macht gegen die immer selbstbewussteren Wittigonen in Südböhmen dar. Die Bedeutung der Stadt Nelolice ging zurück, kurz darauf ging auch die eigene Burgstätte unter und erhalten blieb nur das Städtchen selbst. Infolgedessen begann man besonders im 14. Jahrhundert den von Budweis nach Linz über Kaplice, Dolní Dvořiště und Freistadt führenden Steig immer mehr zu benutzen. Dies bestätigt das Kaiserprivilegium aus dem Jahre 1304. Als in der Mitte des 18. Jh. die Hauptlandeswege vermessen wurden, haben die Kaisergeodäten diese Trasse (heute als die Straβe E 55 bezeichnet) ausgewählt. Einige Abchnitte des Linzer Steiges blieben als Bündel von Hohlwegen in den Wäldern vergessen, andere dienen als Feldwege oder wurden asphaltiert und dienen bis heute als Verbindungswege.

 

Was wurde gehandelt

            Der Handel blühte nicht nur im Mittelalter, sondern schon viel früher in der Urzeit. Die ersten zuverlässigen Beweise der Überschreitungen des Böhmerwaldes stammen aus der Spätbronzezeit (2200-1600 v. Chr.) als das für die Herrstellung der Bronze unerlässliche Kupfer in den Alpen gefördert und nach Böhmen eingeführt wurde. Vorzeitliche Metallgiesser haben den Rohstoff  in die Ingots abgegossen – im frühen Zeitraum waren das sog. Ösenringe (bogenförmige zusammengedrehte Stäbchen mit gedrehten Kanten) und auch Rippen (die Form war ähnlich den menschlichen). Später trifft man auch die Einfuhr fertiger Erzeugnisse oder mit ihrer Teile an. Die Waren hatten Händler oft im Erdboden versteckt, wovon sie sie aus verschiedenen Gründen nicht mehr ausgegraben haben und somit die Gegenstände für uns bis heute erhalten blieben. Heute gibt es in Südböhmen 73 solcher wertvolle Fundstätten, welche zusammen Hunderte einzelne Gegenstände zählen. In der Umgebung des vermuteten Linzer Steiges sind es Funde aus Dolní Chrášťany,  Chvalšiny oder Kájov. Anderer Ansicht nach könnten diese Funde auch religiösen Ursprungs urzeitlicher Bewohner gewesen sein und Opfer für Götter darstellen.

Ein sehr wichtiger Artikel des mittelalterlichen Handels war das Salz. Die Nutzung und der Verbrauch vom Salz war früher viel gröβer als heute, weil das Salz der Konservierung der Lebensmittel diente und bei handwerklichen Arbeiten benutzt wurde. In Böhmen kommt es fast nicht vor und musste eingeführt werden. Für den Zeitraum der Urzeit ist es aber schwer zu beweisen, weil es keine greifbaren Beweise gibt. Wir wissen aber, dass spätestens seit der mittleren Bronzezeit (1600-1300 v. Chr.) in der Umgebung von Hallstatt das Salz gefördert wurde und hiesige Einwohner wurden durch den Handel sehr reich. Auch wenn später die Salzförderung in Hallstadt aufhörte, setzte sich der Handel mit dem Alpensalz fort. Wahrscheinlich auch in der Latenezeit (450 v. Chr. bis zur Wende der Zeitrechung), als Mitteleuropa von den Kelten beherrscht wurde, gab es einen Steig durch den Böhmerwald, der das Oppidum Třísov bei Krumau mit den Oppida Gründberg und Freinberg, die am Rande vom heutigen Linz liegen, verbunden hat.

          Mehrere Informationen über den Salzhandel existieren aus dem Hochmittelalter. Das Salz wurde in den hölzernen Fässern (Prostice genannt) transportiert. Diese Fässer dienten zugleich als eine Maβeinheit. Für die Salzeinführ gab es eine Reihe von Privilegien und ein kompliziertes System der Ausnahmen, die oft sehr unübersichtlich waren und die sich oft wiedersprachen. Einzelne Städte, besonders Prachatice und České Budějovice, haben die Handelswege eifersüchtig überwacht. Sie haben um den Verlauf gestritten und die Fahrt auf den verbotenen Wegen bestraft. Diese beiden Städte hatten auch das Recht auf die Salzlagerung und Lagerung anderer zum weiteren Verkauf bestimmter Waren. Wenn der Fuhrmann das Salz angeliefert und sein Ursprung durch eine besondere Bestätigung nachgewiesen hat, wurde es ihm bezahlt. In die hiesige Lager sind dann die Händler aus ganz Böhmen und Mähren gekommen, um das Salz zu kaufen und in das Inland zu liefern. Die Budweiser und Prachatitzer Einwohner hatten aus dem Salzhandel einen nicht unbedeutenden Gewinn und deshalb sind sie immer energisch gegen unerlaubte Lager in anderen Städten eingeschritten. Ein Dorn im Auge war ihnen das Salzlager in Kaplice, das keine rechtmäβige Bewilligung hatte. Neben dem Passauer Salz begann man seit dem 15. Jh. auch das Salz aus Österreich (habsburgisches Salz) einzuführen und nach der Thronbesteigung im Jahre 1526 bemühten sich die Habsburger seine Einfuhr immer mehr zu begünstigen. Sie förderten dies durch Zollbenachteiligung, beziehungsweise auch durch Teilverbote der Einführ anderer Salze. Um die Kosten für die Salzeinfuhr in das böhmische Inland zu senken, lieβ der Kaiser Ferdinand I. ab dem Jahre 1548 die Moldau von Budweis aus für die Schifffahrt ausbauen.

           Alle diese Maβnahmen hatten einen direkten Einfluss auf die konkreten Trassen der Wege, die über die böhmisch-österreichische Grenze führten, was zwischen den einzelnen Städten und Obrigkeiten langwierige Streitigkeiten aber auch einen wirtschaftlichen Niedergang der Gebiete, an denen die Streckenführungen geändert wurden, verursachte. Im Jahre 1706 hat Kaiser Josef I. entgültig die Salzeinfuhr aus anderen als österreichischen Ländern verboten. Infolgedessen lieβen die Herren von Eggenberg das Salzlager von Prachatitz nach Krumau verlegen und das Budweiser Salzlager erweitern.

       Das Interesse galt nicht nur dem unerlässlichen Salz, sondern auch den Luxusprodukten und Früchten aus dem Mittelmeerraum. In der Zeit der römischen Herrschaft, genau bis Mitte des 1. Jh. nach Chr. wurde an der Donau das römische Lager Lentia (heutiges Linz) gegründet. Es war eine der letzten Bastionen der römischen Zivilisation an der nördlichen Grenze des Imperiums. Die „Barbaren“ hinter der Donau hatten ein groβes Interesse an römischen Produkte – Keramik, Schmuck aber auch Wein. Dies beweisen die auf dem Gebiet Böhmens, vor allem an der Elbe entdeckten römischen Erzeugnisse,. Südböhmen selbst war wahrscheinlich nur die Transportregion, weil die Besiedlung hier nicht dicht war.  Aus den römischen Importen in Südböhmen hat nur die römische Keramik terra sigillata aus der Siedlung bei Sedlec in der Umgebung von Budweis eine gröβere Bedeutung. Direkt an dem Handelsweg wurde ein Bruchstück eines Siebes oder Schöpfers nahe der Gemeinde Světlík entdeckt.

            Dank der schriftlichen Quellen ist der mittelalterliche Handel gut belegt. Wir wissen zum Beispiel, dass einige Südfrüchte seit dem 16 Jh. schon ein ziemlich üblicher Handelsartikel war, den sich auch Bürglerliche leisten konnten. In Südböhmen wurden schon im 15. Jh. die aus Italien eingeführten Seefische und Wein konsumiert. Aus Österreich wurden oft Eisen und hochwertige Eisenprodukte nach Böhmen eingeführt. Aus Böhmen wurd umgekehrt vor allem Lebensmittel und Landwirtschaftliche Produkte, vornehmlich Getreide, Malz, Honig, Käse und selbstverstädlich Bier, oder auch Wolle oder Leder ausgeführt.

 

Reisen im Mittelalter

            Wie haben eigentlich die mittelalterlichen Wege ausgesehen und wer benutzte sie? In den Bergebieten des Böhmerwaldes können wir uns sie wie breitere Pfade vorstellen. Wegen der schlechten Befahrbarkeit des Terrains haben hier meistens die sog. Saumtiere (am häufigsten Pferde, Maultiere, Maulesel, Esel) aber auch die durch Kraxen ausgerüsteten Menschen die Last getragen. In den besser befahrbaren Gebieten im Vorgebirge wurde die Ware auf die Wagen, die imstande waren, mehr Last zu transportieren, umgeschlagen. Schwere Wagen hatten aber groβe Probleme auf den schlechten Straβen. Nach dem Regen wurden sie schlammig und nur strichweise durch die Faschinen (die quer über den Weg gelegten Bretter oder Rundholz) befestigt. Manchmal wurde der Weg mit Kieselsteinen oder Kies repariert. Die Probleme verurschate auch die Erosion, die die Schrammen nach den Rädern der Wagen unterspielt hat, bis strichweise einige Meeter tiefe Canons, die sog. Hohlwege entstanden sind. Am öftesten entstanden sie in dem Aufstieg oder Gefälle, wo beim Bremsen die Räder glitten und das aus dem Hang fliessende Wasser groβe Kraft hatte. Probleme mit den schlechten Straβen haben die Händler einfach gelöst - den unbefahrbaren Teil des Weges fuhren sie um und haben so den Weg auch mehrmals ein paar Meter weiter verschoben. Beweise darüber werden bis heute in der Form von Bündeln von Hohlwegen erhalten.

           Die Geschwindigkeit des Verkehrs in der Vergangenheit blieb natürlich im Vergleich zu den heutigen Standards zurück, einige aufgezeichnete Leistungen sind aber überraschend. Römische Eilboten bewegten sich durchschnittlich mit einer Geschwindigkeit von 60 bis 80 km pro Tag. Sie bewegten sich aber natürlich auf den ausgezeichneten römischen Straβen und in den dazu geeigneten Stationen haben sie ihre Pferde gewechselt. Die Geschwindigkeit der üblichen Reisenden war niedriger und bei den Fuβgängern bewegte sie sich zwischen 25 bis 40 km pro Tag. Die von Pferden gezogene Wagen erreichten die Geschwindigkeit um 20 km pro Tag und das Ochsengespann nur 15 km pro Tag. Groβe Entfernungen bis 180 km pro Tag waren möglich nur stromabwärts auf den Flüssen zurückzulegen. Die Moldau war aber im oberen Teil des Böhmerwaldes für die Lastschiffe nicht schiffbar und die Schifffahrt war nur auf der Donau möglich.

 

Touristische Trasse

        Die Trasse des gegewärtigen Linzer Steiges misst 140 km. Sie kopiert den vermutlichen Verlauf des historischen Linzer Steiges ungefähr seit dem 10. Jh. bis die Mitte des 13. Jh. Aus Linz führt er Richtung Hellmonsödt, weiter nach Norden am Haselbach und Rodl vorbei nach Bad Leonfelden. Die Staatsgrenze überwindet er östlich vom Hohenfurther Pass bei Radvanov. Ein wichtiger Ort ist der Hohenfurth, an der die Trasse die Moldau überquert. Der Steig setzt weiter durch die Landschaft der verschwundenen Dörfer Richtung Boletice mit der romanischen Kirche St. Nikolaus fort. Vom Westen her führt die Trasse um das Massiv des Blanský Waldes (Kleť als höchster Berg) herum und weiter durch das Tal bei Lhenice, wo sich nördlich von der Gemiende die Netolitzer Burgstätte befindet – das Ziel unserer Trasse.